16 Science Fiction Stories by diverse

16 Science Fiction Stories by diverse

Author:diverse [diverse]
Language: deu
Format: epub
Tags: Heyne Anthologie 05
Published: 2013-03-27T16:00:00+00:00


Isaac Asimov

Ein Loch in der Zeit …

Es stand außer Frage, daß Montie Veit durch einen geschickten Schwindel mehr als hunderttausend Dollar gestohlen hatte. Es bestand ebenfalls kein Zweifel daran, daß er genau einen Tag, nachdem sich seine Tat verjährt hatte, verhaftet wurde.

Es war die Art und Weise, wie er es während dieser Periode verhindert hatte, aufgegriffen zu werden, die den epochemachenden Prozeß des Staates New York gegen Montgomery Harlow Veit hervorrief – und zwar mit all seinen Konsequenzen. Dieser Fall führte das Gesetz in die vierte Dimension.

Denn sehen Sie, nachdem er den Schwindel begangen und die hunderttausend Scheinchen kassiert hatte, hatte Veit in aller Ruhe eine Zeitmaschine betreten, die er, illegal natürlich, besaß, und diese auf sieben Jahre und einen Tag in der Zukunft eingestellt.

Sein Verteidiger legte dies ganz einfach dar. Sich in der Zeit zu verstecken, wäre im Grunde nicht viel anders, als sich im Raum zu verstecken. Wenn die Polizei Veit während der sieben Jahre nicht aufgefunden hätte, so wäre das ihr eigenes Pech.

Der Staatsanwalt hob hervor, daß die Einrichtung der Verjährung nicht dazu diente, daß das Gesetz mit dem Verbrecher ein Spielchen spielte. Es wäre sozusagen vielmehr eine Art gnadenvolle Geste, die dazu diente, einen Missetäter von der bis ins Unendliche verlängerten Furcht vor einer Verhaftung zu entheben. Aber Veit, das hob der Staatsanwalt hervor, hätte überhaupt keine Periode der Furcht vor Verhaftung durchgestanden.

Veits Rechtsanwalt ließ sich dadurch nicht beirren. Das Gesetz sage nichts über das Ausmaß der Furcht des Verbrechers aus. Es setze nur eine Zeitgrenze.

Der Staatsanwalt führte an, daß Veit diese Periode nicht durchlebt hätte.

Die Verteidigung hob hervor, daß Veit jetzt sieben Jahre älter sei als zur Zeit des Verbrechens und deshalb diese Grenze überschritten habe.

Der Staatsanwalt zweifelte diese Feststellung an, und die Verteidigung legte Veits Geburtsurkunde vor. Er war im Jahre 2973 geboren.

Zur Zeit des Verbrechens, im Jahre 3004, war er einunddreißig. Jetzt, im Jahre 3011, war er somit achtunddreißig Jahre alt.

Der Staatsanwalt verkündete mit donnernder Stimme, daß Veit körperlich nicht achtunddreißig sei, sondern einunddreißig.

Die Verteidigung wies kühl darauf hin, daß das Gesetz, wenn einmal festgestellt wäre, daß der Angeklagte geistig zurechnungsfähig ist, nur das chronologische Alter anerkenne, welches nur herausgefunden werden könne, wenn man das Geburtsdatum von dem gegebenen Datum abziehe.

In höchster Erregung erklärte der Staatsanwalt, daß die Hälfte des Gesetzbuches unbrauchbar werden würde, wenn Veit jetzt Straflos ausginge.

Dann müßten eben die Gesetze geändert werden, meinte die Verteidigung, damit Zeitreisen von nun an berücksichtigt würden – aber solange das nicht der Fall wäre, müßte das Gesetz so ausgelegt werden, wie es im Buche stünde.

Richter Neville Preston nahm sich eine Woche Zeit, um über den Fall nachzudenken und gab dann seine Entscheidung bekannt. Dies bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte der Rechtsprechung.

Es ist nur bedauerlich, daß einige Leute Richter Preston die Formulierung des Urteils verübelten.

Denn diese Entscheidung lautete wörtlich:

»Ein Loch in der Zeit rettet Montgomery Veit.«



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